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Cluster · Wiki Stand 09/2026

Was ist Open Interest?

Open Interest ist die Summe aller Terminkontrakte, die gerade offen sind und noch nicht glattgestellt wurden. Er misst nicht, wie viel gehandelt wird, sondern wie viel Position im Markt steht.

Auch geschrieben als: openinterest, open-interest, offene positionen, oi
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Wenn zwei Parteien einen Terminkontrakt eingehen, entsteht eine offene Position: Einer setzt auf steigende, einer auf fallende Kurse. Erst wenn sie den Kontrakt wieder auflösen, verschwindet sie. Open Interest ist die Summe all dieser noch offenen Kontrakte.

Der Unterschied zum Handelsvolumen ist leicht zu übersehen und wichtig. Das Volumen misst Bewegung, Open Interest misst Bestand. Ein Markt kann hektisch handeln, ohne dass eine einzige neue Position entsteht — dann ist das Volumen hoch und der Open Interest unverändert.

Wie es funktioniert

Bei jedem Geschäft passiert eines von drei Dingen: Zwei neue Teilnehmer eröffnen eine Position, dann steigt der Open Interest. Zwei bestehende schließen, dann fällt er. Oder einer steigt aus und ein neuer ein — dann bleibt er gleich, und nur das Volumen wächst.

Weil ein großer Teil dieser Positionen mit geliehenem Geld arbeitet, ist der Open Interest indirekt auch ein Maß dafür, wie viel Hebel im Markt steckt. Und Hebel hat eine unangenehme Eigenschaft: Wer ihn einsetzt, entscheidet nicht selbst, wann er aussteigt. Reicht die Sicherheitsleistung nicht mehr, wird die Position zwangsweise geschlossen — unabhängig davon, was der Inhaber für richtig hält.

Warum es zählt

Genau daraus entsteht die Kaskade. Ein Kursrutsch löst Zwangsschließungen aus, die Schließungen drücken den Kurs weiter, das löst die nächsten aus. Wie weit so etwas trägt, hängt davon ab, wie viel Position vorher aufgebaut war. Der Open Interest ist die Vorabmessung dieser Fallhöhe.

Er sagt dabei nichts über die Richtung. Ein hoher Bestand ist keine Warnung vor fallenden Kursen — er ist eine Aussage darüber, was eine Bewegung in irgendeine Richtung anrichten könnte.

Wie die Ampel ihn misst

Das bloße Vorzeichen taugt nicht: „Der Open Interest steigt” trifft an gut der Hälfte aller Tage zu. Eine Bedingung, die die Hälfte der Zeit erfüllt ist, sichert nichts ab.

In der Bitcoin-Ampel wird deshalb die Veränderung über 72 Stunden an ihrer eigenen Schwankungsbreite gemessen. Aus „gestiegen” wird damit „deutlich schneller gestiegen als üblich”.

Das ist ausdrücklich eine Behelfslösung. Für ein sauberes Verteilungsmaß — also die Frage, an wie vielen Prozent aller Tage ein solcher Wert vorkommt — reicht die öffentlich abrufbare Vorgeschichte nicht: Je nach Börse sind es einen Monat bis rund ein halbes Jahr, und keine reicht weit genug zurück. Ersetzt wird das, sobald die eigene Aufzeichnung 400 Tage umfasst, also frühestens im Oktober 2027. Bis dahin steht der Behelf offen auf der Regelseite.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zum Handelsvolumen?
Das Volumen zählt, wie viel innerhalb eines Zeitraums gehandelt wurde — es beginnt jeden Tag bei null. Open Interest zählt, wie viel danach noch offen steht. Ein Kontrakt kann zehnmal den Besitzer wechseln und trägt trotzdem nur einmal zum Open Interest bei.
Ist steigender Open Interest ein Warnzeichen?
Für sich genommen nicht. Er steigt an rund der Hälfte aller Tage. Die Frage ist, wie schnell er steigt und was gleichzeitig sonst passiert — ein schneller Aufbau bei gleichzeitig abfließendem Geld ist etwas anderes als ein schneller Aufbau in einem zufließenden Markt.
Warum wird er in Bitcoin und nicht in Dollar gemessen?
Weil ein Dollarwert zwei Dinge gleichzeitig vermischt: die Zahl der Positionen und den Kurs. Steigt der Kurs um zwanzig Prozent, steigt der Dollar-Open-Interest auch dann, wenn keine einzige Position dazugekommen ist. In Bitcoin gerechnet bleibt nur die Positionsmenge übrig.