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Cluster · Wiki Stand 09/2026

Was ist die Funding Rate?

Die Funding Rate ist eine Ausgleichszahlung zwischen Käufern und Verkäufern bei Perpetual Futures. Sie sorgt dafür, dass sich der Terminkurs nicht dauerhaft vom Spotpreis löst — und verrät nebenbei, welche Seite gerade überfüllt ist.

Auch geschrieben als: fundingrate, funding-rate, finanzierungsrate, perpetual funding
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Ein Perpetual Future ist ein Terminkontrakt ohne Verfallsdatum. Das klingt bequem, schafft aber ein Problem: Ein normaler Terminkontrakt läuft irgendwann aus und wird zum Spotpreis abgerechnet — dieser Zwang zieht ihn immer wieder an den echten Preis heran. Ohne Verfall fehlt dieser Anker.

Die Funding Rate ersetzt ihn. Alle acht Stunden zahlt die eine Marktseite an die andere. Steht der Terminkurs über dem Spotpreis, zahlen die Käufer; steht er darunter, zahlen die Verkäufer. Die Börse ist dabei nur Vermittlerin, sie verdient an dieser Zahlung nichts.

Wie es funktioniert

Die Rate setzt sich aus zwei Teilen zusammen: einem Aufschlag, der den Abstand zwischen Termin- und Spotkurs misst, und einem festen Basiszins. Bei den großen Börsen liegt dieser Basiszins bei 0,01 % je Abrechnung. Liegen Termin- und Spotkurs eng beieinander, landet die Rate genau auf diesem Basiszins — er ist der Ruhewert, nicht der Nullpunkt.

Das ist der Punkt, an dem die meisten Auswertungen danebengreifen. Wer die Funding Rate an der Null misst, hält einen völlig normalen Markt für leicht überhitzt. Aussagekräftig ist nur, was über dem Basiszins liegt.

Warum es zählt

Eine dauerhaft hohe Rate beschreibt einen Markt, in dem eine Seite überfüllt ist und dafür laufend bezahlt. Das sagt nichts über die Richtung des nächsten Kursschritts. Es sagt etwas über die Aufräumkosten: Je mehr gehebelte Positionen auf einer Seite stehen, desto mehr davon werden bei einer Bewegung gegen sie zwangsweise geschlossen — und diese Schließungen bewegen den Kurs weiter in dieselbe Richtung.

Eine Kennzahl, die gerade schweigt

Bei der Herleitung der Bitcoin-Ampel kam ein unerwarteter Befund heraus. Der Überschuss über den Basiszins — die eigentlich aussagekräftige Größe — ist praktisch verschwunden:

Gerechnet auf Tagessummen — also über die drei Abrechnungen eines Tages addiert, jede gegen den Basiszins:

  • 2024: an 77 von 366 Tagen positiv, also an 21,0 %
  • 2025: an zwei Tagen, dem 22. Februar und dem 23. Juli
  • 2026: an keinem einzigen Tag

Der letzte Tag mit positivem Überschuss war der 23. Juli 2025.

Die Basis gehört dazu. Es gibt eine zweite Rechnung über das Mittel von drei Tagen, und die liefert andere Zahlen — 27,5 % für 2024 und den 25. Juli als letzten Tag. Sie wird intern für die Schwellen gebraucht. Öffentlich zählt diese Seite, der Zähler auf der Ampelseite und das Briefing durchgehend auf Tagessummen. Wer eine der Zahlen zitiert, sollte dazusagen, welche Basis gemeint ist.

Die wahrscheinliche Ursache ist der Basis-Handel rund um die Spot-ETFs: Wer ETF-Anteile kauft und gleichzeitig den Perpetual verkauft, verdient an genau dieser Differenz — und drückt sie damit weg. Was 2021 noch ein Überhitzungsanzeiger war, misst heute vor allem, wie gut dieser Handel funktioniert.

Deshalb zählt die Funding Rate in der Ampel nicht mehr in die Farbe hinein. Sie wird stattdessen als Zähler angezeigt: wie viele Tage seit dem letzten Überschuss vergangen sind. Kommt der Wert zurück, wird sie wieder eine reguläre Eingangsgröße — dann aber ausdrücklich als neue Regelversion.

Wer heute liest, „die Funding Rate zeigt Überhitzung”, sollte nachfragen, gegen welchen Nullpunkt gemessen wurde.

Häufige Fragen

Wer zahlt die Funding Rate an wen?
Nicht die Börse kassiert, sondern die eine Marktseite zahlt an die andere. Ist die Rate positiv, zahlen die Käufer an die Verkäufer; ist sie negativ, andersherum. Abgerechnet wird bei den meisten Börsen alle acht Stunden.
Warum gibt es sie überhaupt?
Ein Perpetual Future hat kein Verfallsdatum. Ohne einen Mechanismus, der ihn an den Spotpreis bindet, könnte er beliebig davondriften. Die Funding Rate ist dieser Mechanismus: Sie verteuert die überfüllte Seite so lange, bis sich der Abstand wieder schließt.
Was heißt ein hoher positiver Wert?
Dass viele auf steigende Kurse setzen und dafür laufend zahlen. Das ist für sich genommen keine Vorhersage, aber es beschreibt eine Lage, in der ein Kursrückgang mehr Positionen zur Auflösung zwingt als sonst.
Warum zeigt die Kennzahl derzeit nichts an?
Weil sie seit dem 23. Juli 2025 nicht mehr über ihren Ankerwert gestiegen ist. Die wahrscheinliche Ursache ist der Basis-Handel rund um die Spot-ETFs: Wer ETF-Anteile kauft und gleichzeitig den Perpetual verkauft, drückt die Rate systematisch nach unten.